Zuerst:
Keine Tageszeitung im Briefkasten. Keine große Sache, aber ärgerlich. Zumal sie als gemütliche Lektüre in der bevorstehenden Bahnfahrt zur neuen Arbeitsstätte dienen sollte.
Auf der Fähre:
Keine Überfahrt, sondern langsames Treiben flussabwärts. Kein Problem, die Zeit ist eigentlich ausreichend kalkuliert, schließlich kann immer mal etwas dazwischen kommen. Trotzdem, die Blicke zur Uhr werden immer hektischer. Wer will schon am ersten Arbeitstag zu spät kommen? Endlich ist das Frachtschiff vorbei und die Fähre kann übersetzen – Aufatmen!
Am anderen Ufer:
Auf halbem Weg zum Bahnhof klingelt das Handy in der Tasche. Ein Geburtstagsgruß? Mal hören. Doch weit gefehlt:
„Hause“ steht auf dem Display! Nanu? Da sollte doch überhaupt niemand mehr sein!
„Mama, heute ist der Schulausflug“, wimmert Sohnemann am anderen Ende, „die sind alle weg!“
Na prima! Den Ausflug haben wir tatsächlich völlig vergessen in der Aufregung um den neuen Job. Und jetzt?
Keine Frage. Umgekehrt, mit der Fähre zurück und ab nach Hause zum aufgelösten Sohnemann. Trösten. Im Telefonbuch nach der Nummer der neuen Firma gesucht. Angerufen. Sich tausendmal entschuldigt. Vorsichtig gefragt, wie man sich verhalten soll. Ob man Sohnemann schnell der Klasse nachfahren und später kommen darf. Eigentlich den Job schon wieder abgeschrieben. So etwas darf einfach nicht passieren! Aber – es geschehen noch Zeichen und Wunder:
„Trinken Sie erstmal einen Kaffee und beruhigen Sie sich. Dann fangen Sie eben morgen an.“
Der Stein, der mir vom Herzen fiel, hätte locker den Fußboden in der Wohnung unter mir durchschlagen können…
Sohnemann zum Ziel des Schulausflugs gebracht:
Natürlich weit und breit kein Kind zu sehen. Das "Fabrikmuseum" öffnet auch erst in einer Stunde. Was nun? In der benachbarten VHS nachgefragt, ob es noch ein "Industriemuseum" (Sohnemann ist ganz sicher, dass es so heißen müsste) hier geben würde, wo Schulklassen sein könnten. Tatsächlich, es wurden kurz zuvor viele Kinder gehört. Wir sollten mal gegenüber im "Stadtmuseum" fragen.
Noch ein Stein, der mir diesmal auf die Füße fällt, glücklicherweise aber keine Zehen bricht. Die Klassenlehrerin nimmt Sohnemann in Empfang.
Schon mal da:
Die Gelegenheit genutzt. Dringend nötige Besorgungen in der Stadt erledigt. Zur Feier des neuen Jobs auch einen herabgesetzten Pulli und eine günstige Hose gekauft.
Nachmittags:
Sohnemann vom Hort abholen und zum Kindertreff begleiten. Beim Anziehen bemerkt, dass der Schal verschwunden ist. Wird wohl noch in der Umkleidekabine in der Stadt liegen. Kunststück - bei dem Tag...

0 Kommentare:
Kommentar veröffentlichen